Projekt Alcatraz

 

Projekt Alcatraz stand von Anfang unter einem schlechten Stern. Es geht um die Internierung unseres Hundes, der besser als Katze auf die Welt gekommen wäre. Dann nämlich dürfte er seine Notdurft frei verrichten, andere Tiere straffrei in den Exitus überführen und Menschen behandeln, wie es ihm passt. Als Hund aber muss er hinter einem Zaun verschwinden, Projekt Alcatraz. Wir bewohnen ein höhergelegenes Grundstück, das durch eine Mauer gestützt wird:  auf dieser Mauer sollte der Zaun entstehen. 

 

Zwecks rascher Umsetzung versuchte ich zunächst eine Firma mit dem Wort Zäune im Firmennamen telefonisch zu umwerben. Dabei geriet ich an den Teamleiter Nordwestschweiz, der offensichtlich nahe an einem akuten Burn-out war. Die Tatsache, dass ich den Zaun bereits hatte, führte zu der Ansage: „Wenn Sie meinen, ich käme jetzt vorbei, um auszumessen und dann kriege ich Auftrag nicht, können Sie das vergessen und vor Ende Oktober geht nichts.“ Also entschuldigte ich mich höflich mein Anliegen und versprach ihn in Ruhe zu lassen. Der zweite Zaunmonteur liess sich Bilder von Zaun und Garten schicken. Auf die Offerte warte ich heute noch.

 

Zaunmonteur 3 setzte neue Massstäbe für das Projekt. Es fing vielversprechend mit einem Termin um 07:30 Uhr an, den der Herr de facto auf 06:50 Uhr vorverlegte und auf den Hausherrn traf. Als ich noch ohne Kaffee eintraf, stand man vor der Mauer. Der Monteur – ein jovialer Schrank von einem Herrn, die Hände leger in den Hostentaschen, erklärte gerade, aus welchen Gründen es naiv sei, einen Staketenzaun auf einer Natursteinmauer zu montieren. Seine Lösung, der blickdichte Zaun solle innen um die Rasenfläche herum angelegt werden, so dass Büsche und Rosen, die den Garten schlicht ausmachen, de facto hinter dem Zaun verschwinden. Ich wehrte ab. Ich wolle nicht den Garten auszugrenzen, sondern meinen Hund eingrenzen. 

 

Die nächste Stunde verging nichts weniger als 20 verschiedenen Versionen von „Geht nicht“. Ich schwieg und überlegte, wie wohl die zwei Tunnel durch das Gotthardmassiv zustande gekommen waren, wenn bereits die Pfostenversenkung in eine Mauer ein unüberwindliches Projekt darstellt. Derweil fachsimpelten die Herren weiter. Als der Zaunmonteur die Umsetzung des Projektes Alcatraz ungerührt dem Hausherrn überantwortete und der sich bereit erklärte, selbst die Maschinen zu besorgen und die Zaunpfosten zu setzen, wies ich darauf hin, das Ziel sei die Auslagerung des Projektes und eben nicht die in-house-Lösung gewesen. Eifrige Leser dieser Kolumne kennen die belastete Vergangenheit des Hausherrn in Sachen Gartenbewirtschaftung... Der Zaunmensch konnte sich allerdings nur unter diesen mildernden Umständen überhaupt seinen Einsatz vorstellen. Eine Offerte? Joh also, wüsset Sie.... 

 

Der Zaun wird nun durch den Hausherrn samt Freund gebaut, den ich mit Gold aufwiegen könnte. Mein Junior beginnt demnächst seine Handwerkerausbildung. Er wird Karriere machen.