Die Royals und wir

 

Die jüngste Dauerberieselung aus dem Hause Windsor trieb lustige Blüten. Hektisch etwa grub die SRG die von Wattenwyls aus, damit wir im europäischen Monarchievergleich nicht zurückfallen. Bewiesen wurde: Die Schweiz war schon immer eine Pseudo-Aristokratie, von Alfred Escher bis hin zum heutigen Geldadel à la Blocher. Im Gegensatz zu Diesen zieht der europäische Adel seinen guten Ruf vor allem aus symbolstarken Festen, Hände schütteln und (Mit-) Gefühl zeigen. Ein interessanter Beruf, für den sich bei gleichen Voraussetzungen aber sehr viele Menschen eigenen würden... gut, Polizisten und Banker mal ausgenommen. 

 

Eigentlich sind diese Royals eine Familie wie wir. Die Queen als Oberhaupt wäre dann meine Schwiegermutter. Sie eignet sich, weil sie aus der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie-Welt stammt und diese repräsentieren kann wie keine andere. Ihr Regiment sind wir und statt der britischen Vollblüter können wir bloss auf den griechischen Hundemigranten zurückgreifen. Der ist dafür schöner als die krummbeinigen Corgis der Queen. Der deutsche Opa und meine bessere Hälfte verfügen allemal über den zotigen Humor des Prinz Philipp. Und was das Regieren angeht, sind Beide ambitionierter.

 

Wie wir sind die adretten Royals aus aller Herren Länder zusammengesetzt. Die Briten stecken unter Hüten wie explodierte Sahnetorten und unter dem britischen Tortenguss freundlich-reservierten Benehmens. Wir gleichen in der Beziehung eher Resteuropa. Mein Clan verfügt über eine typisch italienische Fraktion, die österreichische k. und k.-Abteilung, die Deutschen sind zum Teil aus dem Elsass, es gibt bretonische Franzosen, ein Teil der Italiener hat Wurzeln aus Eritrea und die Österreicher haben ihr Temperament von Ungarn. 

 

Unser Tortenguss ist die Verschweizerung, wir leben aber eher das k. und k.-Prinzip. Denn im monarchischen Vielvölkerstaat durften alle Völker ihre Eigenheiten und Traditionen eigenständig nebeneinander her leben. Geregelt war nur das Nötigste. Nicht jede Gurkenkrümmung wurde vorgeschrieben und deshalb hat es auch so lange funktioniert – auch wenn die Sprachen eine ähnliche Herausforderung waren, wie bei uns: Nach Weihnachten nimmt jeder von uns jeweils eine eigene Auffassung von dem, was besprochen wurde, mit nach Hause.

 

Das innerfamiliäre Ministerium für Schönheit und Geschichtsbewusstsein läuft unter k. und k.-Führung. Diese ist allerdings stark abhängig von Schweizer Ingenieurskunst, etwa wenn es um Heizungsreparaturen oder den Rasenmäher geht. Die Italiener sind hier unbrauchbar, weil zu stilorientiert. Gerade in der jüngsten Generation glänzen sie gern in Designerweiss. Sie bringen dafür den Stil in die Familie. In der Kulinarik sind Franzosen, Italiener und Österreich zu einer Qualitätsgemeinschaft verschmolzen. 

 

Die Lehre aus dieser royalen Durchsicht: 1. Sind Europas Eigenheiten nur unter einem Tortenguss aus Schweiz verborgen. 2. Ob wir hier in Zukunft Adel brauchen oder nicht, kommt auf die gelebte Perspektive an.