Akademikerwelten – eine Glosse

 

Donald Trump hat einen Universitätsabschluss. Gibt es einen besseren Beweis, dass die Berufsgruppe der Akademiker - zu denen ich mich notabene auch zähle - eine Menge Unheil über die Menschheit bringen kann?

 

Seit 30 Jahren heisst es stets: wir sind eine wertschöpfungsintensive Volkswirtschaft, um wachsen zu können, brauchen wir mehr Akademiker. Mittlerweile wissen wir, das ist falsch. Denn jetzt haben wir zu wenig gestandene Berufsleute und immer mehr Akademiker mit Lebenskrise, die Handwerker werden wollen oder in die Landwirtschaft einsteigen. 

 

Dies ist eine Glosse, d.h. im Folgenden wird stark vereinfacht: Bei allen Ausnahmen verursacht der Akademiker diverse Probleme: Erstens neigt er dazu, ständig zu begründen, weshalb er Jahre länger die Schulbank gedrückt hat als andere Leute. Gerne erfindet er deshalb Prozesse, wie WTO-Ausschreibungen, die die Welt des Normalbürgers unnötig verkomplizieren. Arbeitet er in der Verwaltung, kostet jede Minute, die er am Arbeitsplatz verbringt, Steuergeld. Zieht sich der weibliche Akademiker nach der Uni ins Familienleben zurück, hat sie in der Bilanz nur Geld gekostet. Ihre Ausbildungskosten werden nämlich im trauten Heim nicht wirklich amortisiert.

 

Zweitens haben Akademiker den fatalen Hang, dem Normalbürger die Welt erklären zu wollen, nicht umsonst schwappte die Akademisierungswelle aus Deutschland in die Schweiz. Hier sind die „Erklärbären“ statistisch übervertreten. Das Problem mit diesem Missionierungskomplex ist, dass der Akademiker stets davon ausgeht, ihm sei die Weisheit in die universitäre Wiege gelegt worden. Dabei gibt es eine Menge ebenso kluge Menschen, die nie eine Universität von innen gesehen haben und auch sehr gut ohne komplexe Annahmen und Modelle durchs Leben kommen. Einige von ihnen wollen auch einfach nicht verstehen, warum aufwändige Studien manchmal nur das erklären, was man auch ohne Studien schon wusste.

 

Denn drittens behauptet der Akademiker, er kenne die Probleme des Normalbürgers. Das trifft zum Teil zu, denn siehe oben. Was der Durchschnittsakademiker definitiv immer seltener kennt, ist die Durchschnittswelt des vom Aussterben bedrohten Fliessbandarbeiters, den er aus Effizienzgründen lieber heute als morgen durch intelligente Roboter ersetzen möchte. Deshalb ist der politisch aktive Akademiker auch konsterniert, wenn der Fliessbandarbeiter die Mutter aller Probleme bei elitären Leuten wie ihm verortet. 

 

Wenn Welten sich trennen, empfiehlt der Diplomatenakademiker die Aufnahme von Gesprächen und ich tue das auch. Allerdings bin ich nicht repräsentativ, weil ich mich artfremd verhalte. Ich bin mit einem der Leute liiert, die dafür sorgen, dass die Welt des Akademikers funktioniert. Denn es braucht eine grosse Menge Menschen mit anderen Begabungen, um den Akademiker durchs Leben zu bringen. Die Welt kann zwar auf einige Studien und Pseudoabsolventen (siehe Beginn) verzichten, nicht aber auf Putzkräfte, Elektriker, Fliessbandarbeiter, Handwerker und Lebenskünstler.