Männer und Maschinen

 

Die Welt hat sich knappe 500 Jahre nach der Erfindung des Buchdrucks – dem ersten Massenmedium - in technologiegetriebenen Einheitsbrei verwandelt. Symbolisiert durch den viel zu jungen Mann im immer gleichen schmalen Anzug, der immer häufiger in Politik und Wirtschaft die Runde macht. Verpackungskünstler, die die Social Media Welle reiten und durch inhaltsleere Statements glänzen. Länderspezifische oder kulturelle Unterschiede? Kaum auszumachen. Dabei wurden Internet und die Zwitscherkanäle als Befreiungsinstrumente für Demokratie gefeiert. Mehr Austausch – mehr multikulturelles Voneinanderlernen? Wohl eher das Gegenteil...

 

Ständig reden wir von unserer westlichen Kultur, von Freiheit und Gleichheit und immer weniger von der Brüderlichkeit, während um uns herum Autokratien wie Pilze aus dem Boden schiessen. Nach zwei Weltkriegen, die aus Nationalismus entstanden sind, dient Twitter Autokraten dazu, mit ihrer Klientel zu kommunizieren. Russland nutzt „soziale“ Medien, um Marionetten an die Macht zu bringen.

 

Während wir uns alle täglich bis zu 2'600 mal mit dem kleinen intelligenten Gerät in unserer Hand befassen, verstummen die Gespräche. Jeder saugt Meinungen ein, die ihn in dem bestärken, was er schon kennt, überzeugen ihn noch radikaler von seiner Denkrichtung. Wie viel von all dem Kurzzeitgeschnatter ist wirklich eine Mitteilung wert? Wo bleibt die kritische Auseinandersetzung? Was haben wir früher in dieser Zeit gemacht?

 

Wir kommunizieren wenig Substanzielles. Wir hören, sehen, lesen Medien, die aus der Not, ständig Neues bringen zu müssen, immer weniger Relevantes produzieren. Wir verbrauchen kostbare (Er-)Lebenszeit damit, irrelevante Information, von wenig Brauchbarem zu trennen. Dann ist es meistens schon zu spät. Schon haben wir das Unbrauchbare bis in unsere Träume hinein verarbeitet.

 

Noch nie hatten wir so viele Informationen über uns und andere wie heute. Wir nutzen Sie zum kleinsten Teil kreativ. Dagegen nimmt die Verbissenheit überhand: Wer definiert, wie wir leben sollen? Ständig wird uns erklärt, wie wir mit Apps effizienter werden, Zeit sparen können, was korrekt ist, was gesund. Alle, die dem Einheitsstreben nicht gewachsen sind, werden in geeignete Versorgungsumgebungen gesperrt. Wenn man der modernen Gentechnik weiter folgt, werden sie in Zukunft gar nicht erst geboren.

 

Können Sie sich vorstellen, wie unglaublich fade die Welt dann sein wird? Wir sind dabei, uns in eine Art zweitklassiger Maschinen zu verwandeln, Maschinen, die niemals so gut, schnell und präzise funktionieren werden wie die wirklichen Maschinen, denen wir ja neuerdings auch noch das Lernen beibringen. 

 

Zynisch betrachtet, vergeuden wir unsere Lebenszeit damit, uns selbst abzuschaffen. Denn im Wettlauf mit den Maschinen verlieren wir – in erster Linie unsere Menschlichkeit. Als Maschinen sind wir unbrauchbar. Warum also nicht Zeit investieren ins Anderssein?