Meine Welt | VS Nr. 132   | 2015

Durchsagen

Als Wissenschaftlerin arbeitet frau viel daheim im stillen Kämmerlein, allerdings ist dieses Kämmerlein leider oft alles andere als still. Wegen der Anrufe, die jeder kennt: „Do isch Frau X/Herr Y. Sie haben sicher schon gehört, dass die Krankenkassenprämien dieses Jahr wieder steigen. Oder: Wir möchten Ihnen kostenlos…anbieten.“ Es folgen Vergleichsangebote, ein Vertreter im Haus, wenn es ganz schlecht läuft, sogar ein Knebelvertrag aus dem man nur mit Hilfe von Juristen wieder herauskommt. Wir werden wohl nie erfahren, mit wem Krankenkassen-Optimierer, Telefonieanbieter und Abonnementsverkäufer ihr Geld eigentlich verdienen. Tatsache ist: Sie vermehren sich ständig. Da sich der Umsatz all dieser Firmen an der Anzahl erfolgreich getätigter Abschlüsse bemisst, ist Gegenwehr ein Muss.

 

Hier eine Liste mit selbst getesteten Abwehrtricks gegen die Leute mit den miesen Berufen. Mein Favorit, wenn Sie diese Mitmenschen schonen wollen, lautet: Wir können das Gespräch bereits hier beenden, nehmen Sie es nicht persönlich, aber ich habe kein Interesse.“ Danach sofort auf- oder den Hörer beiseitelegen. Die Leute werden alles versuchen, Sie an der Muschel zu halten. Bei den Krankenkassenvergleichern greifen Sie zur Notlüge. Sie sind GesundheitsökonomIn und daher besser informiert als Ihr Gegenüber. Was zählt ist der Überraschungseffekt. Gut verwendbar ist auch ein unverfängliches Hallo am Anfang. Bei der Frage nach ihrem Namen antworten Sie aber in einer beliebigen Fremdsprache. Wenn Sie keine Fremdsprache beherrschen, erfinden Sie eine. Schauspielerisches Geschick brauchen Sie bei der Drohung mit dem Rechtsapparat: „Dieses Gespräch wird aufgezeichnet, weil ich Anzeige gegen unerwünschte Werbeanrufer eingereicht habe.“ Verlangen Sie Namen, Adresse und Telefonnummer.

 

Wenn Sie Kinder haben, funktionieren Sie diese zur Abwehrwaffe um. Aaron z.B. liebt es „Wer wird die Nervensägen schneller los?“ zu spielen. Er hat schon früh gelernt, Gespräche abzusägen, denn wegen eines solchen Anrufs ersetzte sein Vater einst den staatsnahen Betrieb mit „S“ kurzentschlossen durch einen No-Name-Telefoniepiraten. Unsere gesamte Telefonie lag tagelang darnieder. Aaron kann alle Tricks in bissigem Hochdeutsch anwenden. Es fängt an mit dem hierzulande unentschuldbaren Einleitungssatz „Was wollen Sie?“, anschliessend bringt er den Telefonverkäufer zur Weissglut mit monotonen „Ich weiss-nicht“-Antworten und wenn alles nichts hilft, lässt er übergangslos Mama an den Hörer.

 

 

Die Nummer eins der Hitliste ist, wenn Sie Ihr Gegenüber mit “Ich sag es meinem Vormund“ schachmatt setzen. Es ist nämlich die Methode, mit der Sie zur Karteileiche werden. Im Vergleich zu dieser Reaktion ist es einfach langweilig, wenn Sie nur noch Nummern abnehmen, die sie kennen und aktuell die mit Ostschweizer Vorwahl vermeiden. Denn solchen Nervensägen das Geschäft zu vermiesen, kann richtig Spass machen.