Meine Welt | VS Nr. 117   | 2015 

Die Generation Fragezeichen

Diese Kolumne beschreibt die Generation Y – im Wissen um etliche Ausnahmen. Der Name leitet sich ab aus der englischen Frage „Warum“. Es sind die Jungen, die zwischen 1977 bis 1998 geboren sind, also von 1990 bis 2010 Teenager waren. Sie lernen durchs Netz, nicht in Bibliotheken. Die Gehirne dieser Jungen können ungeheure Mengen von Informationen aus der ganzen Welt aufnehmen. Das Internet macht Lernen erstmals in der Menschheitsgeschichte nicht mehr begrenzbar oder vom gesellschaftlichen Status abhängig.

 

Die Generation Y hat eine eingebaute Burn-out-Bremse. Für die Eltern ist ihre Langsamkeit in bestimmten Dingen, das Whatsup schreiben statt telefonieren zeitweise schwer zu ertragen. Sie verzichten auch auf die geradlinige Lebensplanung der Eltern: Arbeiten muss zum Rest des Lebens passen. Das macht Entscheiden schwierig, man könnte ja immer etwas noch Besseres verpassen. Die Generation Y wird kein Haus im Grünen mehr haben, dafür ist kein Platz mehr in der Schweiz, sie wird auch keine „Schritt-für Schritt-Karriere“ machen, dafür viele Projekte, Auszeiten, Reisen und wieder Projekte. Mal erfolgreich, mal weniger. Es wird ihren gesellschaftlichen Status nicht mehr bestimmen.

 

Für Spätzünder hat unser Bildungssystem vorgesorgt; Passerellen garantieren, dass sie immer auf- oder aussteigen können. Einige politische Traditionsthemen werden nicht länger bewirtschaftet. Wie z.B. die Vereinbarkeit von Familie und Erwerb. Die Generation Y will sie, sonst bleibt sie lieber kinderlos. Auch die Gleichberechtigung ist einfach Tatsache, kein Anspruch mehr. Viele „politische“ Themen sind für die Ypsiloner eher eine Frage von Konsum, Ethik oder Lebenstil. Ökologie geht durch den Magen und über den Einkaufswagen. Häuserkampf und Protestmärsche sind nichts für eine Generation, die mit dem Krieg gegen den Terror aufgewachsen ist. Und wenn Protest, dann wird er spontan und archaisch organisiert. Bei Occupy Wallstreet oder der Piratenpartei ist der Weg das Ziel. Eine Haltung, die Politiker in Berlin und Brüssel aus der Fassung bringt. Macht nichts. Für Y ist Politik eher eine Frage, wie man mit unseren Daten umgeht, wie man die Persönlichkeit schützen kann, ohne auf neue Erkenntnisse verzichten zu müssen. 

 

Zahlenmässig sind wir Alten den Yern überlegen, denn die Gesellschaft wird grauer. Wir wundern uns ja schon nicht mal mehr, wenn man uns 44jährige als „Die nächste Generation nach Bern“ verkauft. Meiner Generation ist diese Jugend vielfach zu angepasst. Die Wahrheit ist wohl, dass sie traditionelle Muster des Lebens fast unmerklich unterwandern und so verändern. Viele Migranten sind aus der Generation Y. Sie machen „Politik mit den Füssen“. Sie verlassen ihre Regierenden und durchmischen unsere ergrauenden Gesellschaften. Vielleicht ist das nicht so schlecht, denn eine alternde Gesellschaft will schliesslich versorgt sein, in unserem Fall sogar auf hohem Niveau.