Meine Welt | 20.1.2012 | Nr. 9

Rettung in eigener Sache

GAU steht für grösstmöglicher Unfall, die Kriterien sind klar definiert. So auch bei mir. Meine kleine Welt wird von folgenden Ereig­nissen auf den Kopf gestellt: Erstens, die Waschmaschine ist kaputt, zweitens, die Spülmaschine ist kaputt, drittens, die Kaffee­maschine verweigert den Einsatz. Dann wird alles andere verschoben und sofort ein ­Rettungspaket geschnürt. Die Kaffeemaschine kommt von der Firma jenseits der Autobahn nach Bern und ich weiss nicht, wie oft ich sie schon persönlich mit dem Auto in die Reparaturstation fahren wollte, nur um die zwei Tage verkürzen zu können, die mich ­allein schon die postalische Zustellung von diesem Automaten trennt. Mein Mann denkt über das Gleiche nach – aus anderen Gründen: Es ist in dieser Zeit jeweils angenehmer, von mir Abstand zu halten.
Wenn ich zu wenig Gardinen mit zu viel Pulver gewaschen habe, kann ich die Waschmaschine mittlerweile selbst reparieren. Da ich dasselbe Verhältnis regelmässig bei Kaffee und Wasser anwende, kann ich auch die Brühkopfdichtung der Kaffeemaschine wechseln. Mein persönliches Highlight in Sachen Krisenintervention bleibt jedoch die Rettung meines iPhones. Es war im Büro. Ich hatte mein Handy in der Gesässtasche des Anzugs verstaut und wollte noch schnell das stille Örtchen aufsuchen, bevor ich ein Training geben sollte. Die berufstätige Mutter nimmt das Handy schliesslich überall hin mit; für den Fall, dass der kleinste Sohn ein Problem produzieren sollte, das per Fernbedienung in Zürich «Alarmstufe Rot» auslöst.
In diesem Fall jedoch kam es gar nicht erst zu dem, was man normalerweise auf dem Örtchen tut – weil ich nämlich vorher das Handy gurgelnd absaufen sah: Mein neues iPhone verabschiedete sich in Richtung Zürcher Kanalisation. Blitzschnell kommt es zum Griff ins Klo. Doch das Display zeigte bereits wellenförmig den technischen Untergang an.
Hochrot eilte ich ins Büro zurück und vertraute mich den Kollegen an. Das Lachen nahm kein Ende mehr. Zwischendurch lies­sen sie sich darüber aus, dass kein iPhone-Doktor der Welt mir noch helfen könne. Trotzig wandte ich mich ans Internet, derweil das iPhone schwarz ging. Die Chats trübten meine Stimmung noch mehr: Einer meiner virtuellen Leidensgenossen hatte sein iPhone sogar beim Kajakfahren versenkt …
Geradezu albern mutete der Tipp an, das iPhone in ein Tuch mit Reis einzuwickeln und neben einer Heizung auf Besserung zu warten. Am Abend eilte ich nach Hause, hängte das Phone mit einer Schnur vor den Entfeuchter und schaltete auf volle Leistung. Am nächsten Tag klemmte ich es zwischen Lehne und Sitzfläche meines Volvo und fuhr wieder nach Zürich. So ging es zwei Tage, dann erlebte ich den Triumpf: Das Handy lebte wieder! Und so sind die Chatrooms um einen Tipp reicher. Nur ich kann die ­Toilette nicht mehr aufsuchen, ohne den ­Zuruf der Kollegen: «Lass das Handy hier!»

 

 

Petra Huth ist Politikwissenschaftlerin und Ökonomin. Die deutsche Staatsangehörige lebt seit 18 Jahren im Baselbiet und seit 11 Jahren in Anwil.