Meine Welt | 16.3.2012 | Nr. 33

Rettet Griechenland!

«Nei, bisch denn verruckt? Das isch doch vill z unsicher! Do chunnsch nie meh zrugg!», sagte ein Freund zu mir, als es um die Planung seiner Ferien ging. Nein, gemeint war kein Trip nach Afghanistan, sondern mein ­Vorschlag, er solle doch nach Griechenland reisen.
Dass die griechische Bevölkerung keine Freude hat am Sparkurs der Rettungsschirmherren, kann man verstehen. Aber auch wenn es in den Fernsehnachrichten öfter so aussieht: In Griechenland ist kein Krieg ausgebrochen! Es gibt dort keine hungernden Leute, die einem das Hemd vom Leib reis­sen, um an Benzin und Nahrungsmittel zu ­kommen. Das zeigt sich an Kreta, wo ich letzten Herbst in den Ferien war.
Die Kreter wurden im Laufe ihrer ­Geschichte von so vielen Staaten regiert, dass sie irgendwann beschlossen, Regierungen zu ignorieren. Wenn es schlimm wurde, zog man sich auf die Lassithi-Hochebene zurück, um dort solange vom eigenen Ackerbau
zu leben, bis die Invasoren – egal ob Türken, Araber oder Venezianer – sich wieder ­zurückzogen. Geblieben ist ein Misstrauen ­gegenüber staatlichen Institutionen und eine miese Steuermoral. Aber: Menschen zahlen nirgendwo gerne Steuern; sie werden nur durch strenge Gesetze und Behörden dazu gebracht.
Dafür war bei den Griechen im Gegensatz zu uns in der Schweiz die EU bis jetzt beliebt. Kein Wunder hat sich doch der ­wirtschaftliche Aufschwung auch dank der EU-Fördergelder, von Windparks über Oliven­anbau bis zum Tourismus, gut entwickelt. Zum Wohlergehen trugen auch englische Rentnerkolonien bei, die sich ihre AHV ­örtlich auszahlen liessen, weil es sich unter Griechenlands Sonne billiger lebte.
Und nun wissen Ökonomen und Regierungsberater, die sich mit grossen Wirtschaftskrisen eigentlich gar nicht auskennen, genau, wie man vorgehen muss: Sparen, sparen, sparen. Man hat Schulden, also schränkt man die Ausgaben ein. Nur: Eine Volkswirtschaft ist kein Haushalt!
Wenn man die Löhne senkt, vor allem von denen, die ohnehin schon wenig haben, wo sollen dann Steuereinnahmen herkommen? Erhöht man die Steuern auf Benzin und Konsumgüter, schwindet der Umsatz. Also wird weniger verdient und man kriegt noch weniger Steuern. Die Ökonomen sagen, wenn man die Mindestlöhne senkt, werden Arbeitskräfte billiger und dadurch eher Jobs geschaffen. Wenn Sie Chef einer KMU ­wären und ihre Aussichten miserabel, stellen Sie dann Arbeitskräfte ein, auch wenn sie zu ­einem Spottpreis daherkommen? Nein? Genau das aber ist der Plan für Griechenland.
Schaut man sich das Debakel an, wird klar: Für die Krise springen die europäischen Steuerzahler – und ja, auch wir Schweizer – in die Bresche. Deshalb empfehle ich: Reist nach Griechenland! Geniesst die Inseln! Kauft griechisches Olivenöl! Es ist billiger als die meisten italienischen. Wichtig ist, dass die Griechen Geld verdienen können. Denn je mehr sie selber verdienen, desto weniger Geld müssen wir ihnen schicken.