Basellandschaftliche Zeitung, Mittwoch, den 10. Februar 2016

Was die Innovationsförderung von der Standortförderung unterscheidet

 

«Die moderne Welt ist ein Resultat der Innovationen, nicht der Investitionen.» sagt die Wirtschaftshistorikerin Deidre McCloskey. Die Realität in Allschwil sieht anders aus – zumindest auf den ersten Blick. Hier wird investiert. In den Innovationspark Nordwestschweiz. Er ist einer von mehreren Netzwerkstandorten des gesamtschweizerischen Innovationsparks, den die kantonalen Volkwirtschaftsdirektoren, Bundesrat Schneider-Ammann und das Parlament 2015 aus der Taufe gehoben haben.

 

Die beiden Basel und der Jura haben unter Federführung der Handelskammer mit den ehemaligen Actelion-Labors auf dem Bachgrabenareal einen Initialort im Zentrum des Basler Life Science Clusters gefunden: Forschungsgruppen aus internationalen Grossunternehmen, KMU, Start-ups und Spin-offs können mit Gruppen aus Hochschulen und privaten Forschungsinstituten zusammenarbeiten und sich vernetzen. So entsteht in einer hochdifferenzierten Volkswirtschaft wertschöpfungsstarkes Wissen. Es ist das Wissen, das uns einen Wettbewerbsvorteil verschafft und Unternehmen anzieht. Cluster sind nämlich nichts anderes als die räumliche Verdichtung von Firmen und Forschungseinrichtungen aus unterschiedlichen Sparten, aber mit einem fachlich gleichgerichteten Interesse.

 

Die physische Nähe und der reale Austausch spielen dabei eine weitaus grössere Rolle, als die Echtzeit-Technologien suggerieren. Für Harvard-Ökonom Michael E. Porter erklären sie, warum die Cluster trotz Globalisierung an Bedeutung zugelegt haben. Wachstum und Bestand eines Clusters hängen davon ab, wieviel zukünftiges Innovationspotenzial ihm attestiert wird. Ein solches Cluster in seiner Innovationsdynamik zu unterstützen, ist also anspruchsvoll.

Wer fördert, fehlt schon fast automatisch. Zum Innovationspark wurden Stimmen laut, die sich darüber ärgern, dass nicht stattdessen mehr in die Bildung investiert werde. Andere halten es für sinnlos, Immobilien ohne Startkapital zur Verfügung zu stellen. Für Dritte fehlen die richtigen Arbeitskräfte, wenn wir uns gleichzeitig gegenüber dem Ausland abriegeln, siehe Masseneinwanderungsinitiative.

 

Wie also investiert man richtig in Innovation? An welchen Kriterien sollte der Innovationspark gemessen werden?

1. Innovationsförderung ist nicht dasselbe wie Standortpflege oder -förderung. Im Vordergrund der Standortpflege stehen gute wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen. Dazu gehört die Sicherung einer hohen Bildungsqualität ebenso, wie z.B. die Unternehmenssteuerreform III und ein gutes Arbeitskräfteangebot. Zur Standortpflege gehört auch, die Folgen von innovationsgetriebenem Strukturwandel aufzufangen: Ein Cluster zieht z.B. geeignete (zukünftige) Arbeitskräfte an. Das fördert die relative Wohnungsknappheit am Standort Basel oder die Verkehrsüberlastung. Es müssen neue Lösungen gefunden werden. Die Standortförderung macht Firmen auf Clustervorteile aufmerksam und unterstützt sie konkret bei der Ansiedlung. Aufgrund dieser Faktoren entsteht aber noch kein hochinnovatives Cluster.

2. Der Innovationspark vereint Firmen aus Pharmawissenschaften, Medizin und Pflanzenwissenschaften mit Technologien wie IT, Sensorik und Messtechnik. Er unterstützt die spezifische Ansiedlungs- und Kooperationsdynamik des Clusters, ohne es in eine bestimmte Bahn zu lenken. Sonst wäre es Industriepolitik. Innovationsförderung versucht auch nicht, Arbeitsplätze und Strukturen zu erhalten, sondern optimiert die Rahmenbedingungen für neues Wachstum.

3. Innovationsförderung ist ergebnisoffen. Das Ziel ist, den technischen Fortschritt auf Unternehmensebene zu beschleunigen, entweder durch neue Produktionsverfahren oder neue Produkte. Deshalb ist Innovationsförderung so schwer vermittelbar. Weil z.B. Ergebnisse schlecht messbar werden, wenn sie nicht als konkretes Produkt auf den Markt kommen.

 

Umso weniger kann eine wertschöpfungsstarke Region es sich leisten, Innovation nicht zu fördern. Die Exportleistung des Life-Science Standorts Basel ist zwar unbestritten, aber andere Regionen ziehen nach. Zudem sind Cluster bewegliche Netzwerke. Sie verlagern sich, wenn die Innovationsdynamik nachlässt. Ewigen Skeptikern der Innovationsförderung hält Deidre McCloskey den Spiegel vor: Geschichtlich ist jeweils die gesellschaftliche Wertschätzung entscheidend gewesen, die man den Innovatoren, den Erfindern und Unternehmensgründern, entgegengebracht hat. Sie fängt bei der Unterstützung von Investitionen in Innovation an.