Don't shoot the messenger

Die Jungen gehen zu wenig stimmen, aber eigentlich ist die zu kleine Stichprobe in der Vox-Analyse schuld an diesem Ergebnis. Und schon hat sich in Helvetien ein Problem wieder ganz von selbst aus der Welt geschafft.

 

Oder doch nicht? Schiesst man nicht viel mehr auf den Botschafter, damit man sich das Problem nicht ernsthaft anschauen muss?

 

1. Die Schweizer Jugend ist gemäss verschiedenen Ländervergleichen (z.B. Oser und Biedermann, 2003) schon seit Jahren zwar zufrieden mit dem System, aber politisches Wissen und Verständnis sind eher schlecht, ebenso gering ist die Bereitschaft, sich politisch zu engagieren. Das Problem wird seit Jahren dokumentiert, auf der politischen Agenda der Schweiz ist es erst mit dem 9. Februar 2014 aufgetaucht! 

 

2. Die direkte Demokratie braucht aber das Interesse und die Teilhabe der Jugend. Mehr als jedes andere demokratische System lebt sie von hohen Partizipationsraten und einer thematisch unbegrenzten Grundbeteiligung. Eine Jugend, die das politische System unternutzt, nur wenig wahrnimmt und es letztlich nicht nach ihren Bedürfnissen verändert, führt den demokratischen Anspruch ad absurdum. 

 

Aber: Gerade jene, die sich jetzt über angeblich zu kleine Stichproben und zu viel Macht bei erfolgreichen Forschern aufregen, schreiben sich politische Bildung nur dann auf die Fahnen, wenn es gut klingt. Als Geschäftsführerin der Stiftung Dialog - die sich für die politische Bildung für Jugendliche einsetzte - kann ich bezeugen, dass nur ganz wenige Personen in der Schweiz auch dafür zahlen wollten. Die Bundeskanzlei gehörte nicht dazu.

 

3. Dafür bezahlt die Bundeskanzlei die Vox-Anlayse und das ist gut so. Beim GfS ist es ein bisschen wie in der politischen Bildung. Man freut sich, dass da lange Datenreiehen produziert worden sind und sich jemand um die systematische Pflege der Nachanalaysen sämtlicher (!) Volksabstimmungen in der Schweiz verdient gemacht hat. In einzigartiger Zusammenarbeit mit drei universtären Instituten. Aber bitte nur nicht zu viel Konzentration von Macht in einer Institution - vielleicht gerade, weil sie ja privatwirtschaftlich funktioniert?

 

Das probate Mittel hierfür ist ja Gott sei Dank der Wettbewerb. Er hat auch bei den Banken schon sämtliche Probleme gelöst....Der Wettbewerb soll nun  also zeigen, ob andere es auch so gut können. Was für eine Frage. Was wieder einmal vergessen geht, ist, dass Wissenschaft zu einem ganz erheblichen Teil auf Erfahrungswissen basiert. Wissen, das in  den letzten Jahren immer zugunsten der Pflege des "öffentlichen Gutes Vox-Analyse" eingesetzt worden ist. So hat man etwa 2009 die Stichprobe von 1000 auf 1500 Personen erhöht und das, nicht aufgrund von privatwirtschaftlichen Umsatzzielen, sondern vor allem aus Forscherdrang. Das das nicht immer einfach ist, weiss ich aus eigener Erfahrung als Mitarbeiterin des GfS-Forschungsinstitutes. Vielleicht überlegt sich nun der ein oder andere Krtiker, ob er das nächste Mal ein Telefoninterview ablehnt, weil er keine Zeit in eine Telefonbefragung investieren will.

 

Es ist derselbe Forscherdrang, der Politologen, die sich ernsthaft um das Gesamtsystem direkte Demokratie und die politische Kultur bemühen, den mahnenden Finger hochhalten lässt, wenn es um die jugendliche Apathie geht. Statt ihnen Überinterpretation und technische Mängel vorzuwerfen, sollte man sich erstens mit den realen Bedingungen zur Datenerfassung in diesem Land beschäftigen und zweitens hinhören, denn das Problem erledigt sich nicht, indem man auf den Botschafter schiesst.

 

Und ob diese Fragen mit mehr Wettbewerb von der Agenda verschwinden, ist schliesslich auch mehr als fraglich. Wie wäre es denn, wenn wir stattdessen mal wieder etwas für die Pflege des Systems tun würden?

Die Jungen gehen zu wenig stimmen, aber eigentlich ist die zu kleine Stichprobe in der Vox-Analyse schuld an diesem Ergebnis. Und schon hat sich in Helvetien ein Problem wieder ganz von selbst aus der Welt geschafft.

 

Oder doch nicht? Schiesst man nicht viel mehr auf den Botschafter, damit man sich das Problem nicht ernsthaft anschauen muss?

 

1. Die Schweizer Jugend ist gemäss verschiedenen Ländervergleichen (z.B. Oser und Biedermann, 2003) schon seit Jahren zwar zufrieden mit dem System, aber politisches Wissen und Verständnis sind eher schlecht, ebenso gering ist die Bereitschaft, sich politisch zu engagieren. Das Problem wird seit Jahren dokumentiert, auf der politischen Agenda der Schweiz ist es erst mit dem 9. Februar 2014 aufgetaucht! 

 

2. Die direkte Demokratie braucht aber das Interesse und die Teilhabe der Jugend. Mehr als jedes andere demokratische System lebt sie von hohen Partizipationsraten und einer thematisch unbegrenzten Grundbeteiligung. Eine Jugend, die das politische System unternutzt, nur wenig wahrnimmt und es letztlich nicht nach ihren Bedürfnissen verändert, führt den demokratischen Anspruch ad absurdum. 

 

Aber: Gerade jene, die sich jetzt über angeblich zu kleine Stichproben und zu viel Macht bei erfolgreichen Forschern aufregen, schreiben sich politische Bildung nur dann auf die Fahnen, wenn es gut klingt. Als Geschäftsführerin der Stiftung Dialog - die sich für die politische Bildung für Jugendliche einsetzte - kann ich bezeugen, dass nur ganz wenige Personen in der Schweiz auch dafür zahlen wollten. Die Bundeskanzlei gehörte nicht dazu.

 

3. Dafür bezahlt die Bundeskanzlei die Vox-Anlayse und das ist gut so. Beim GfS ist es ein bisschen wie in der politischen Bildung. Man freut sich, dass da lange Datenreihen produziert worden sind und sich jemand um die systematische Pflege der Nachanalysen sämtlicher (!) Volksabstimmungen in der Schweiz verdient gemacht hat. In einzigartiger Zusammenarbeit mit drei universtären Instituten. Aber bitte nur nicht zu viel Konzentration von Macht in einer Institution - vielleicht gerade, weil sie ja privatwirtschaftlich funktioniert?

 

Das probate Mittel hierfür ist ja Gott sei Dank der Wettbewerb. Er hat auch bei den Banken schon sämtliche Probleme gelöst....Der Wettbewerb soll nun  also zeigen, ob andere es auch so gut können. Was für eine Frage. Was wieder einmal vergessen geht, ist, dass Wissenschaft zu einem ganz erheblichen Teil auf Erfahrungswissen basiert. Wissen, das in  den letzten Jahren immer zugunsten der Pflege des "öffentlichen Gutes Vox-Analyse" eingesetzt worden ist. So hat man etwa 2009 die Stichprobe von 1000 auf 1500 Personen erhöht und das, nicht aufgrund von privatwirtschaftlichen Umsatzzielen, sondern vor allem aus Forscherdrang. Das das nicht immer einfach ist, weiss ich aus eigener Erfahrung als Mitarbeiterin des GfS-Forschungsinstitutes. Vielleicht überlegt sich nun der ein oder andere Krtiker, ob er das nächste Mal ein Telefoninterview ablehnt, weil er keine Zeit in eine Telefonbefragung investieren will.

 

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Kommentare: 11
  • #1

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